4. Advent 20.12.2020 Gen 18, 1-15

Sun, 20 Dec 2020 18:15:14 +0000 von Bettina Kopplin

„Und Sarah lachte!“. Wissen Sie, warum Sarah lachen musste? Kennen Sie die Geschichte?! Etwa so: „Und der Herr erschien dem Abraham, während er vor dem Zelt saß. Als er seine Augen aufhob, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und Abraham bat sie, zu bleiben. Lasst euch nieder, sprach er. Und er sagte zu Sarah, sie solle Brot backen. Er selber holte ein Kalb, es zu schlachten. Nach dem Essen sprachen die Männer: Wo ist Sarah? Und Abraham zeigte zum Zelt: Da drinnen. Und die Männer sagten: Übers Jahr wollen wir wiederkommen, da wird Sarah ein Kind haben. Und Sarah im Zelt lachte. Denn sie und ihr Mann waren über 90 Jahre alt, und Sarah ging es nicht mehr nach der Frauen Weise. “
 Es gibt ja leider wenige Erzählungen in der Bibel, wo gelacht wird. Hier ist es einmal so. Und es freut mich. Als Abraham vor seinem Zelt sitzend  hochguckte, standen die drei Männer vor ihm. Ob nun der erste, der ihm erschien, also Gott, nachher einer von den Dreien ist, wird nicht gesagt. Für Abr scheint es auch egal zu sein. Er weiß, ab jetzt spricht Gott selbst mit mir. Da sollten wir bei manchem Gespräch mal drauf achten: spricht da Gott oder ein Bote Gottes zu mir? In einem biblischen Text steht (Hebr 13,2): „Gastfreundlich zu sein, vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ Abraham braucht darüber nicht nachzudenken. Ihm ist es irgendwie gleich klar. Und wenn man weiß, dass die Gäste von Gott sind, wird man sie herzlich ins Zelt einladen wollen. Aber nun ja, wenn ich an die folgenden Vorbereitungen denke, wird das Essen noch eine Weile auf sich warten lassen haben. Denn es wird erst ein Kalb geschlachtet, auch wird gebacken. Aber vielleicht soll das nur deutlich machen, wie wichtig der Gast ist. Da ist einem nichts zu schade oder zu langwierig. 
 Als Abraham gefragt wird, wo Sarah ist, sagt er: Da ist Sara. Und einer der Männer sagt: da wird Sara nächstes Jahr ein Kind haben. Also hat das Geschehen einen konkreten Ort. Da, wo sie jetzt ist, wird es nächstes Jahr ganz anders sein. Ein Wunder wird geschehen sein. Da, wo du lebst. Denken wir also auch an unser Zuhause, da, wo wir sind, kann nächstes Jahr ein Wunder, etwas sehr überraschendes geschehen sein. Gott setzt Grenzen außer Kraft. Sara und Abraham waren alt, sehr alt. Eigentlich gingen sie schon eher auf das Sterben zu. Und nun dies: sie werden doch noch ein Kind bekommen. Als Sara es durch die Zeltwand hindurch hört, fängt sie an zu lachen. Die einzige Frau in dieser Szene, der Mittelpunkt des Wunders, fängt an zu lachen. Denn schon lange geht es bei ihr nicht mehr „nach der Frauen Weise“ – jeder weiß, was gemeint ist. Gut, ihr drei klugen Männer da vor dem Zelt, wie soll das denn angehen?! 
 Eigentlich nur, weil Gott es will und kann. Unser Hoffen geht nur bis an die Grenzen der Naturgesetze. Bei Gott geht es noch weiter. Es erinnert mich an ein österliches Geschehen: wie konnte nach dem Tod Jesu noch neues Leben beginnen?! Wie können Menschen, die schon auf den Tod zugehen, neues Leben erfahren? Wir wissen es nicht. Aber wir vertrauen auf Gottes Möglichkeiten. Auch in diesen Wochen tut mir das Vertrauen der Sara und des Abraham gut. Über die Naturgesetze soll es hinausgehen. Das wünschen wir so sehr, wenn wir an Erkrankte denken. Das wünschen wir so sehr, wenn wir an die denken, die mit Covid 19 kämpfen müssen. Gott schenke es. Und wir sollen es für möglich halten. Nicht immer erfüllt sich dieser Wunsch, dieses Gebet. Beileibe nicht. Manchmal müssen wir über die Grenze des Todes hinaushoffen. Gott hat auch ihm die Macht genommen. Wie das geht? Wie können wir dem Niederdrückenden die Macht nehmen? Von Sarah höre ich: mit Humor. Einfach mal lachen. Kein Auslachen, kein hämisches Lachen, sondern ein Kichern über die komische Idee Gottes. So alt und noch ein Kind?! Na, das ist komisch. Lachen nimmt die Schwere. Lachen entmachtet das Böse. Ein heutiges Beispiel: in Beirut ist eine Schauspielerin jetzt als Clownin unterwegs. Da ihr Theater geschlossen ist, lädt sie Kinder aus einem Viertel zur Clownerie ein. In Beirut herrscht große Not: die Korruption, die Kämpfe, die schwere Explosion im Hafen und nun noch Corona machen die Stadt kaputt. Da genau ist eine junge Frau, die sich eine rote Nase aufsteckt und mit den Kindern Quatsch macht?!? Ja, genau so. Im Radio wurden die Kinder und Jugendlichen gefragt, wie sie das denn fanden, in dieser kaputten Stadt mit einer Clownin zu spielen. Alle waren begeistert. Für einige Stunden war die Not vergessen, und es stand das im Vordergrund, was das Leben schön macht: Gemeinschaft, Humor und gegenseitige Wertschätzung. Diese kurzen Erlebnisse zeigen ja die Richtung an, wo es hingehen soll. Einmal soll es auch in Beirut wieder friedlich, humorvoll und zugewandt sein. Als wenn auch in Beirut ein Engel genau in diese Straße zeigte und sagte: Da wird es in einem Jahr passieren: Frieden, Glück, Leben. 


Sarah hat das erlebt. Genau da, wo sie lebte. Ein Jahr später konnte sie ein Kind in den Armen halten, vor Glück lachen und Gott danken. Das soll auch uns passieren. Da wo wir leben. In einem Jahr sagen zu können: wir leben, wir sind wieder unbeschwert, wir können uns wieder umarmen und in den Häusern treffen. Schenken wir den Engeln unser Vertrauen. So wie Abraham und Sarah. Ruhig mit einem Lächeln. Das nimmt dem Schweren die Macht.


Amen. 
Bestätigen

Bist du sicher?